Technischer Betriebswirt

Wie werde ich Technischer Betriebswirt? Was sind meine Aufgaben? Welches Gehalt kann ich fordern? – Antworten auf diese Fragen gibt es hier!

Inhaltsverzeichnis

Was ist ein Technischer Betriebswirt? – Ein Kurzprofil

Die Weiterbildung zum Technischen Betriebswirt bildet eine gefragte Schnittstelle zwischen Technologie und unternehmerischen Grundlagen. Denn der Absolvent vereint technisches Know-how und ist gleichzeitig im betriebswirtschaftlichen Bereich qualifiziert. Die ausgebildeten Fachkräfte haben die neusten technologischen Entwicklungen im Blick, verlieren aber auch die Kosten nicht aus den Augen.

Wie kann die Produktionskette verbessert werden, welche Materialien und Maschinen sollen eingesetzt werden, und welche Firma macht das beste Angebot? Diese Fragen kann meist nicht der Betriebswirt oder technische Leiter allein entscheiden, weil das Wissen des jeweils anderen Bereichs fehlt. Technische Betriebswirte kombinieren beide Kompetenzen. Sie denken einerseits unternehmerisch, kalkulieren die Kosten und kontrollieren Produktionsabläufe. Andererseits setzen sie ihre technischen Fachkenntnisse ein, um zum Beispiel die richtigen Materialien und Maschinen auszuwählen oder beim technologischen Fortschritt mitzuhalten.

In der Wirtschaft ist die Verzahnung von Technologien und Marktwirtschaft inzwischen so weit fortgeschritten, dass Fachkräfte gesucht werden, die dieser Verknüpfung entsprechen. Der Technische Betriebswirt ist also die ideale Antwort auf den Bedarf der Wirtschaft.

Wer sich zum Technischen Betriebswirt qualifizieren möchte, muss eine entsprechende Prüfung vor der Industrie- und Handelskammer ablegen. Zur Vorbereitung dieser Prüfung ist es ratsam, eine Weiterbildungs zum Technischen Betriebswirt im Fernstudium oder im Präsenzstudium zu absolvieren.

Anbieter des Technischen Betriebswirts

Bei folgenden Instituten können Sie eine Weiterbildung zum Technischen Betriebswirt im Fernstudium oder Präsenzstudium absolvieren.

Branchen und Arbeitsorte

Die Weiterbildung zum Technischen Betriebswirt ist zwar sehr spezifisch, die möglichen Arbeitsorte und Branchen sind jedoch vielfältig. Besonders in der vielstufig produzierenden Industrie und in mittelständischen Betrieben werden diese Fachkräfte gebraucht.

Die Großbetriebe der Automobilindustrie setzen bisher traditionell auf Hochschulabsolventen. Doch seit die Bereiche Wirtschaft und Technik immer mehr zusammen wachsen, sind Fachkräfte, die diese Kompetenzen vereinen, auch in dieser Branche zunehmend gefragt. Erfolgreiche Absolventen arbeiten einerseits klassisch im Büro, können aber auch im Außendienst, bei Kunden oder Lieferanten vor Ort ihre Fachkenntnisse einsetzen.

Mögliche Branchen und Arbeitsorte sind:

  • Bau, Architektur
  • Chemie, Pharmazie, Kunststoff
  • Elektronikhersteller
  • Fahrzeugbau, -instandhaltung
  • Glas, Keramik, Rohstoffverarbeitung
  • Handel
  • Holz, Möbel
  • IT, DV, Computer
  • Medien, Informationsdienste
  • Metall, Maschinenbau, Feinmechanik, Optik
  • Nahrungs-, Genussmittelherstellung
  • Papier, Druck
  • Textil, Bekleidung, Leder
  • Transport, Verkehr
  • Ver- und Entsorgung

Aufgaben und Tätigkeiten des Technischen Betriebswirts

Die Aufgaben des Technischen Betriebswirts siedeln sich an der gesamten Wertschöpfungskette eines Unternehmens an. Das kann die technische Betriebsleitung, die Fertigungsleitung oder der Einsatz im Bereich Logistik sein. Außerdem wird der Technische Betriebswirt im Controlling oder Produktmanagement eingesetzt. Die fachliche Kompetenz befähigt aber auch zur technischen Beratung von Kunden und Geschäftspartnern.

Die Aufgaben im Speziellen:

  • Einkauf und Disposition von Maschinen und Material
  • Kalkulation, Rechnungswesen
  • Controlling
  • Projektmanagement
  • Materialkunde, sicherheitstechnische Überwachung der Produktion
  • Führen von beteiligten Mitarbeitern an der Produktionskette
  • Kundenberatung
  • Planung und Optimierung von Arbeitsabläufen

Anerkennung und Ansehen

Als Schnittstellenspezialist gibt es kaum Konkurrenz zum Technischen Betriebswirt, somit ist diese Weiterbildung ein überzeugendes Alleinstellungsmerkmal bei der Bewerbung um Arbeitsstellen und Beförderungen.

Technische Betriebswirte werden laut Bundesministerium für Bildung und Forschung in der betrieblichen Praxis an den Kenntnissen und Fähigkeiten von Wirtschaftsingenieuren gemessen – das zeugt von Vertrauen in diese Ausbildung. Die Anerkennung der Weiterbildung spiegelt sich dann auch in der Besetzung verantwortungsvoller und leitender Positionen wieder – und damit auch im Gehalt.

Das Ansehen von IHK-geprüften Betriebswirten im Ausland gestaltet sich oftmals nicht ganz einfach, da es keine öffentlich-rechtlich zugelassene Übersetzung des Abschlusses gibt. Deshalb sollte vor der Ausbildung geklärt werden, welche Übersetzungen des Zeugnisses der Ausbilder anbieten kann.

Gehalt

Weder das Einstiegsgehalt noch das spätere Einkommen eines technischen Betriebswirts ist einer einheitlichen Regelung unterworfen. Vielmehr wird es durch eine Vielzahl unterschiedlicher Faktoren bestimmt und weist eine große Bandbreite auf. Von wesentlicher Bedeutung für die Höhe des Gehalts sind in der Regel die individuelle Qualifikation, das Maß der Verantwortung sowie auch der Stellenwert der ausgeübten Tätigkeit. Darüber hinaus wirken sich das Alter, das Geschlecht und die bereits gesammelte Berufserfahrung als persönliche Merkmale auf den Verdienst aus. Weitere Faktoren, die einen Einfluss auf das Gehalt nehmen, sind beispielsweise Region oder Branche.

Mithilfe von Sonderzahlungen kann der Verdienst weiter aufgebessert werden. Urlaubsgeld, vermögenswirksame Leistungen und das 13. Monatsgehalt werden vom Unternehmen allerdings lediglich auf freiwilliger Basis gewährt und sollten aus diesem Grunde nicht fest als Einkommen eingeplant werden.

Das durchschnittliche Gehalt des technischen Betriebswirts liegt pro Monat zwischen 2.850 € und 3.350 € brutto:

 MännerFrauenDurchschnitt
Gehalt*3.350 €2.850 €3.100 €
 

*) Hinweis: Alle Angaben sind in brutto / monatlich angegeben und auf Grundlage der bisherigen Datensätze erhoben.

Das Einstiegsgehalt wird in den meisten Fällen niedriger angesetzt. Je nach Zusammenspiel der bereits genannten Faktoren ist jedoch auch ein deutlich höheres Gehalt möglich. So erstreckt sich die gesamte Gehaltsspanne auf einen Bereich zwischen 2.100 € und 7.500 € brutto. Einer 25-jährigen Frau aus Hamburg blieben damit in Steuerklasse 1 zwischen 1.400 € und 4.000 € netto.

Berufsaussichten und Perspektiven Technischer Betriebswirte

Technische Betriebswirte sind gefragte Spezialisten und ein willkommener Kompetenzzuwachs für die Wirtschaft. Das bestätigt auch Absolvent Jan Wolfgang Hofenauer:

"Inzwischen bin ich in verantwortlicher Position als Marketing Manager bei Wacker Chemie GmbH in München tätig, einem Unternehmen mit über 16 000 Mitarbeitern." Jan Wolfgang Hofenauer, Absolvent (Quelle: sdg.de)

Durch die bedarfsorientierte Weiterbildung bestehender Mitarbeiter, machen sich die Absolventen zu unabdingbaren Fachleuten für ihre Firma. Mit ihren Betriebswirtschaftlichen Kenntnissen können die bereits technisch versierten Mitarbeiter nun auch in verantwortungsvollen, leitungsnahen Positionen eingesetzt werden. Der Aufstieg innerhalb der Firma wird sich dann natürlich auch im Gehalt wiederspiegeln.

Bei der Besetzung von neu geschaffenen Stellen kann die Weiterbildung ausschlaggebend sein und die Position bei der Gehaltsverhandlung erheblich verbessern. Auch Quereinsteiger bekommen so die Möglichkeit mit der bedarfsgerechten Ausbildung einen Fuß in die Tür der produzierenden Wirtschaft zu setzen.

Außerdem werden bisher staatliche und öffentliche Aufgaben zunehmend privatisiert und in die freie Wirtschaft ausgelagert. Dadurch entstehen neue Aufgabenbereiche und Arbeitsstellen, in denen nun Controlling und Rechnungswesen an Bedeutung erlangen. Technische Betriebswirte können dieses Feld durch ihre spezialisierte Ausbildung für sich besetzen.

Eine Studie des deutschen Industrie- und Handelskammertages (DIHK) befragte die Absolventen der Weiterbildung zum Technischen Betriebswirt nach ihrem beruflichen Werdegang:

  • 65% gaben an, die Weiterbildung habe sich positiv auf ihren Beruf ausgewirkt
  • 80% würden sich erneut für diese Ausbildung entscheiden
  • 60% waren zum Prüfungszeitpunkt älter als 30 Jahre, 20% sogar älter als 40
(Quelle: wis.ihk.de)

Weiterbildung

Sie haben die Möglichkeit, sich auf die Prüfung zum Technischen Betriebswirt im Fernstudium oder Präsenzstudium vorzubereiten. Das Fernstudium zum Technischen Betriebswirt ist dabei insbesondere für alle geeignet, die sich neben dem Beruf fortbilden möchten. Zur Weiterbildung des Technischen Betriebswirts finden Sie in dieser Übersicht die wichtigsten Fakten:

DIE WEITERBILDUNG AUF EINEN BLICK – HIER ALLE WICHTIGEN INFOS IM ÜBERBLICK

Voraussetzung

  • Ausbildung im gewerblich-technischen Bereich, oder
  • Mindestens Hauptschulabschluss und Berufspraxis.

Beginn

Wer den Technischen Betriebswirt im Fernstudium absolviert, kann die Weiterbildung jederzeit beginnen.

Inhalte

  • Volkswirtschaft, Betriebswirtschaft
  • Rechnungswesen, Controlling, Finanzen
  • Material- und Produktwirtschaft
  • Marketing
  • Management, Führung, Personalmanagement

Dauer

  • Im Fernstudium 18 Monate bei einer wöchentlichen Studiendauer von 10-12 Stunden
  • Vor Ort ca. 700 Unterrichtsstunden à 45 Minuten (Vollzeitstudium)

Abschluss

"Geprüfter Technischer Betriebswirt (IHK)"

Kosten

  • ca. 2.700 € im Fernstudium, ca. 4.000 € im Präsenzstudium, jeweils zzgl. ca. 550 € Prüfungsgebühr

Prüfung

Die Ausbildung zum technischen Betriebswirt wird mit einer Prüfung vor der Industrie- und Handelskammer (IHK) abgeschlossen.

Die Prüfungsinhalte gliedern sich in 3 Teilgebiete:

Prüfungsteil I: Wirtschaftliches Handeln und betrieblicher Leistungsprozess (schriftliche Prüfungen)

  • Betriebs- und Volkswirtschaft
  • Rechnungswesen
  • Finanzierung und Investment
  • Produkt- und Absatzwirtschaft

Prüfungsteil I wird in schriftlichen Prüfungen abgefragt. Diese Prüfungen sind bundeseinheitlich geregelt und werden auch zu einem bundeseinheitlichen Termin abgelegt. Nicht bestandene Klausuren können mit mündlichen Ersatzprüfungen ausgeglichen werden.

Prüfungsteil II: Management und Führung

  • Unternehmensführung und Organisation (Situationsbezogenes Fachgespräch)
  • Personalmanagement (schriftlich)
  • Informations- und Kommunikationstechniken (schriftlich)

Prüfungsteil II wird mit Klausuren und einem situationsbezogenem Fachgespräch abgelegt. Das situationsbezogene Fachgespräch ist eine mündliche Prüfung vor einem Prüfungsausschuss.

Prüfungsteil III: Fachübergreifender technikbezogener Prüfungsteil

Prüfungsteil III wird schließlich mir einer Projektarbeit und einem projektbezogenem Fachgespräch abgelegt. Hier muss der Prüfling sein Wissen praktisch anwenden und sein Projekt vor einem Prüfungsausschuss vorstellen. Bei den Fachgesprächen zählen neben Fachwissen auch richtig eingesetzte Präsentationstechniken, eine gute Ausdrucksweise und sicheres Auftreten.

Prüfungsvoraussetzung:

Um die Prüfung ablegen zu können, muss zur Anmeldung bei der IHK mindestens eine der folgenden Voraussetzungen erfüllt sein:

  • eine mit Erfolg abgelegte Prüfung zum Industriemeister
  • eine vergleichbare technische Meister-Prüfung
  • eine mit Erfolg abgelegte staatlich anerkannte Prüfung zum Techniker
  • eine mit Erfolg abgelegte Prüfung zum Technischen Fachwirt (IHK)
  • eine mit Erfolg abgelegte, staatlich anerkannte Prüfung zum Ingenieur und mindestens 2 Jahre einschlägige Berufspraxis

Buchempfehlungen zur Prüfungsvorbereitung

Besorgen Sie sich die richtige Literatur, um sich optimal auf die Prüfung und Prüfungsfragen vorzubereiten. Hier einige Tipps:

Zusammenfassung

  • Die Weiterbildung zum technischen Betriebswirt erweitert technische Fachkenntnisse durch branchenübergreifendes und unternehmerisches Wissen.
  • Technische Betriebswirte können in Unternehmen vielfältig und auf oberer Führungsebene eingesetzt werden.
  • Absolventen erhöhen durch die konkurrenzlose Spezialausbildung ihre Gehalts- und Jobchancen.
  • Die Ausbildung lässt Absolventen die zunehmende Verschmelzung von Technischer und wirtschaftlicher Denkweise meistern.